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Warum hochverarbeitete Lebensmittel weniger gesund sind - obwohl sie perfekt aussehen

Warum hochverarbeitete Lebensmittel weniger gesund sind (obwohl sie perfekt aussehen)

Vielleicht habt ihr euch schon selbst einmal gefragt, warum ein selbst gebackener Kuchen viel schneller verdirbt oder Schimmel bekommt, als ein verpackter aus dem Supermarkt.

Nun, durch industrielle Konservierung werden Ballaststoffe, Eisen und B-Vitamine entzogen. Es sind also weniger Nährstoffe im abgepackten Lebensmittel enthalten. Auf der anderen Seite werden Zusatzstoffe wie Aromen, Geschmacksverstärker, Farbstoffe hinzugefügt, um Lebensmittel für Gaumen und Auge attraktiv zu machen. 

Der gekaufte, eingepackte Kuchen sieht vermutlich perfekter aus als dein selbst gemachter, hat aber bestimmt weniger Nährstoffe. 

Ohne Nährstoffe ist dieser Kuchen oder jenes Toastbrot auch unattraktiv für Schimmel. Oder es sind Zusatzstoffe enthalten, die den Schimmel fern halten. 

Irgendwie fragt man sich doch: wenn nicht mal Schimmel das essen möchte, wie gesund kann es dann für uns sein?

Ziel der Industrie: geringe Kosten, viele Verkäufe

In der Regel wird in abgepackten Lebensmitteln zu viel SALZ, FETT, ZUCKER  und Geschmacksverstärker verwendet , damit das Produkt gut schmeckt, obwohl wenige Nährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten sind.

Das Ziel der Industrie ist Gewinnmaximierung, daher verwenden sie oft billigste Rohmaterialien, wie z.B. Palmöl, das billigste, geschmacksneutrale Fett auf dem Markt.

Zusatzstoffe wie Aromen, Farbstoffe, Stabilisatoren und andere chemische Zutaten wie Feuchthaltemittel oder Emulgatoren werden zugegeben, damit das Produkt lange im Supermarktregal liegen kann und eine attraktive äußere Erscheinung hat.

Die hochverarbeiteten Lebensmittel haben  häufig eine geringe Nährstoffdichte bei einer hohen Energiedichte und zudem eine hohe glykämische Last.

Was ist eigentlich Nährstoffdichte? 

Es ist der Nährstoffgehalt (in mg/100 g Lebensmittel) geteilt durch den Brennwert (MJ pro 100 g Lebensmittel). Der Wert dient der Beurteilung der Qualität eines Lebensmittels als Lieferant eines bestimmten Nährstoffes unter Berücksichtigung des Energiegehaltes. 

Ein Beispiel: 

Ein Schokoriegel aus dem Supermarkt (Gewicht 57g) hat eine bestimmte Menge an Kalorien, z.B. 288 Kcal. Rechnet man dies auf 100g Schokoriegel um, sind das 505 Kcal pro 100 g Schokoriegel. 

Das ist eine sehr hohe Energiedichte. 

Zum Vergleich hat 1 Apfel mit einem Gewicht von 150g etwa  80 Kcal und damit entspricht ein Gewicht von 100g Apfel einem Energiegehalt von 55 Kcal. 

Der Apfel hat eine niedrige Energiedichte. 

Du könntest kalorienmäßig also 9 kleine Äpfel essen für einen Schokoriegel. 

In Zeiten des Überflusses und der Übergewichtsepidemie in westlichen Ländern sollte es eine unserer Prioritäten sein, „leere“ Kalorien, d.h Produkte mit hoher Energiedichte und wenig Nährstoffen, zu vermeiden.

Schalter für Sättigung: Aus!

Aber nicht nur die Kalorien zählen, auch die Kombination von Fett und Zucker hat Einfluss auf unser Essverhalten.

Sicher habt ihr auch bemerkt, dass man bei vielen gekauften Snackartikeln gar nicht aufhören kann mit Essen. Oder diese Snacks gerne ohne Hungergefühle gegessen werden.

Nun, eine gewisse Mischung und Dosis der Inhaltsstoffe hat einen verhängnisvollen Effekt. Experimente im Tierversuch zeigen, dass Fett und Zucker, in einem bestimmten Verhältnis kombiniert, Hyperphagie („Fressattacken“) bei Mäusen auslöst und zu Übergewicht führt (Samuelsson et al., 2008). Man spricht auch von einer „Cafeteria diet“. 

Cracker, Schokoriegel, Muffins, Hotdogs sind so zusammengesetzt, dass sie im Gehirn Schaltkreise für Appetit und Sättigung aus der Balance bringen (Hoch et al., 2014). Wir essen weiter, obwohl wir satt sind.

Mehr Wert für´s Geld

Sind denn fertig verarbeitete Lebensmittel günstiger als frische Sachen? Nein! Schaut man auf die Nährstoffdichte ist frisch zubereitetes Essen sowohl preislich als auch vom Gesundheitsaspekt her eine bessere Wahl. 

Im interessanten Artikel von Bitmann (2011) wird genau ausgerechnet, dass es tatsächlich nicht günstiger ist mit der Familie zu einem Fastfood Restaurant zu gehen. Selber kochen ist preislich günstiger und gesünder. 

Vorsicht bei „gesunden“, verarbeiteten Lebensmitteln

Dann gibt es ja auch noch die scheinbar gesunden verpackten Lebensmittel. 

Verpackte Lebensmittel, wie z.B. einige Frühstück-Cerealien oder Schokoladengetränke, haben z.T. zugesetzte chemisch hergestellte Vitamine und Mineralstoffe. 

Sie sollen dem gesundheitsbewussten Verbraucher signalisieren, dass dieses Produkt gesund ist. Diese nachträglich zugesetzten Vitamine sind zwar chemisch enthalten und können werbewirksam in der Zutatenliste aufgeführt werden, haben jedoch eine weniger gute Bioverfügbarkeit. Zudem sind sie oft in China unter umweltschädlichen Bedingungen hergestellt.

Du solltest dir klar machen, dass die gesündesten Lebensmittel keine Verpackung und sogenannte „health claims“ haben, wie z.B. Obst und Gemüse.

Cook it yourself!

Einerseits kannst du die Tomatensoße selbst kochen mit Zwiebeln, Knoblauch, frischen Tomaten, Basilikum und dazu Vollkornspaghetti (Ballaststoffe, glykämischer Index positiver) verwenden. Man sollte ja denken, dass in diesem Gericht kein raffinierter Zucker notwendig ist. 

Zum Abschluss möchte ich noch kurz zeigen wie ein einfaches Gericht wie Spaghetti mit Tomatensoße gesund oder ungesund hergestellt werden kann. 

Nimmst du jedoch eine Fertigdose Nudeln mit Tomatensoße und du schaust mal auf die Zutatenliste, wirst du dich wundern, dass Zucker an 4. und 5. Stelle steht. Einmal in Form von Zucker und einmal in Form von Fruktose-Sirup. Zudem sind nach Aromastoffe, modifizierte Stärke und Zwiebelpulver drin. 

Das hört sich doch wirklich nicht lecker an, schmeckt aber eigentlich ganz okay, weil deine Geschmacksknospen auf der Zunge ausgetrickst werden. Aber gesund ist das nicht.

Wir wollen dich dazu motivieren zumindest einfache Gerichte selbst zu kochen. Es dauert nicht wesentlich länger, wenn du dich erst mal mental und küchentechnisch eingerichtet hast. Und je häufiger du es probierst desto besser das Ergebnis. 

Also, auch wenn deine Nudelsauce oder dein selbst gebackener Kuchen nicht perfekt ist, die inneren Werte zählen und da hast du die Nase vorn! 

Quellen:

Samuelsson, A. M., Matthews, P. A., Argenton, M., Christie, M. R., McConnell, J. M., Jansen, E. H., … & Rowlerson, A. (2008). Diet-induced obesity in female mice leads to offspring hyperphagia, adiposity, hypertension, and insulin resistance: a novel murine model of developmental programming. Hypertension, 51(2), 383-392.

Hoch, T., Pischetsrieder, M., & Hess, A. (2014). Snack food intake in ad libitum fed rats is triggered by the combination of fat and carbohydrates. Frontiers in psychology, 5, 250.

Bittman, M. (2011). Is junk food really cheaper. The New York Times, 24.